ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) ist ein Funkstandard, über den Flugzeuge diverse Daten senden. Das ganze ist netterweise unverschlüsselt und günstig und einfach empfangbar - perfekt, um herauszufinden, was in der eigenen Wohngegend eigentlich so in der Luft ist.
Was senden Flugzeuge eigentlich?
Flugzeuge senden in regelmäßigen Abständen diverse Informationen, die unter anderem auch für “Radar” genutzt werden.
Die ADS-B-Broadcasts enthalten unter anderem:
- Position (GPS-basiert)
- Höhe
- Geschwindigkeit
- Flugrichtung
- Callsign / Flugnummer
- ICAO-Adresse
Das ganze passiert auf einer Frequenz von 1090 MHz etwa sekündlich.
Öffentliche Plattformen
Es gibt diverse Plattformen, auf denen sich Flugzeuge tracken lassen. Sehr bekannt ist beispielsweise FlightRadar24 oder auch FlightAware, daneben gibt es auch diverse weitere und auch nichtkommerzielle Plattformen wie plane.watch oder OpenSky. Diese Plattformen leben - zumindest in Teil - davon, dass es ein großes Netzwerk an Freiwilligen gibt, die einen Empfänger betreiben und die Daten zur Verfügung stellen.
Empfänger
Die Basis bildet ein RTL2832U-basierter USB-Stick. Ursprünglich als DVB-T-Empfänger konzipiert, hat sich dieser Chipsatz in der Bastler- und SDR-Community längst etabliert. Für wenig Geld bekommt man damit einen vollwertigen Software Defined Radio Empfänger.
Als Antenne reicht für den Einstieg oft das mitgelieferte Modell. Wirklich interessant wird es aber erst mit besserer Platzierung: Innenliegend (z. B. am Fenster) funktioniert, bietet aber stark eingeschränkte Reichweite. Optimal ist draußen und möglichst hoch montiert (Dach, Mast, Balkon). Die Antenne hat dabei idealerweise eine Länge, die der Wellenlänge (oder einem Anteil wie der Hälfte oder einem Viertel davon) entspricht, bei 1090 MHz also grob 27 cm.
Ich habe einen Stick mit dem genannten Chip, der speziell für ADS-B gedacht ist und einen Verstärker sowie Bandfilter für diese spezielle Frequenz direkt integriert hat. Das heißt, dass ich ADS-B-Signale besser empfangen kann, aber dafür den SDR-Stick nicht wirklich anderweitig nutzen kann.
Die Sticks werden teilweise recht warm, sollte man also nicht tief irgendwo verstecken oder zumindest einmal die Temeratur im Betrieb prüfen.

Software
Der Empfänger ist ohne passende Software natürlich nutzlos. Hierbei gibt es verschiedene Lösungen, beliebt ist dabei einerseits dump1090 plus entsprechende Transmitter-Tools für die entsprechenden Plattformen, alternativ gibt es beispielsweise auch ultrafeeder. Ich selbst nutze letzteres.
Die Docker-Compose poste ich hier mal nicht, die lässt sich aber in der Dokumentation zur Software finden (https://sdr-enthusiasts.gitbook.io/ads-b/foundations/deploy-ultrafeeder-container).
In meinem Setup lasse ich den eigentlichen Decoder auf einem anderen Server als die Feeder laufen, aber das ist jedem selbst überlassen. Der Stack braucht ein wenig CPU-Leistung, aber das hält sich trotzdem noch in Grenzen. Der eigentliche Reader und die Feeder kommunizieren dabei über das beast-Protokoll.
Neben dem Reader und mehreren Feedern für verschiedene Plattformen habe ich tar1090 als Webinterface laufen, damit kann ich lokal eine Karte mit den Flugzeugen, die gerade empfangen werden, abrufen.
Vorteile der Datenspende
Bei einigen Plattformen, beispielsweise bei FlightRadar24, erhält man eine Subscription kostenfrei, wenn man Daten an die Plattform überträgt. Da ich FlightRadar22 als App eh gerne benutze, ist das ein großer Vorteil und für mich am Ende auch günstiger als ein Abonnement.
Fazit
Einen ADS-B-Empfänger zu betreiben ist nicht teuer, nicht schwer und vor allem für Luftfahrtenthusiasten spannend. Einerseits kann man direkt Daten er Flugzeuge in der Nähe sehen, andererseits hat die Beteiligung an den großen Plattformen meistens auch Vorteile. Der Stromverbrauch ist zumindest in meinem Fall vorhanden (die Abwärme ist spürbar, das Gehäuse vom Stick ist quasi permanent sehr warm), die CPU-Last hält sich in Grenzen.