Selfhosting ist cool, aber nicht automatisch die beste Lösung für alles. Manches ergibt zuhause mehr Sinn, manches ist auf einem vServer im Rechenzentrum besser aufgehoben und anderes würde ich wiederum gar nicht selbst hosten.
Die Möglichkeiten
Zuhause hosten
Zuhause ist oft die beste Wahl für Dienste, bei denen lokale Kontrolle, niedrige Kosten und direkte Datenhoheit wichtiger sind als maximale Verfügbarkeit. Besonders bei speicher- oder rechenintensiven Diensten rechnet sich das Hosten zuhause häufig recht schnell. Das gilt besonders für Dinge, die nur du oder die Familie nutzt und die auch mal einen kurzen Ausfall verkraften können.
Typische Kandidaten sind:
- Medienserver wie Jellyfin oder Plex
- HomeAssistant und andere Smarthome-Dienste
- Wiki, Dokumentenmanagementsystem, Zusatzdienste wie Collabora
- Monitoring für das eigene Heimnetz oder das Homelab
- Interne Tools, die nur im LAN oder per VPN erreichbar sein müssen.
- Gameserver
Kritischere Dienste (wie bei mir bspw. Nextcloud) müssen genauer abgewägt werden. Ich hoste meine Nextcloud zuhause, da der Speicherplatz dadurch deutlich günstiger ist und ich mit Ausfällen häufig leben kann.
Lieber auf einen vServer
Ein vServer lohnt sich vor allem dann, wenn Erreichbarkeit, feste Außenanbindung und sauberer Betrieb wichtiger sind als physische Kontrolle. Das gilt besonders für Dienste, die öffentlich erreichbar sein sollen oder eine bessere Upload-Anbindung brauchen, als sie zuhause realistisch verfügbar ist. Auch für kleine, aber internetnahe Workloads ist ein VPS oft die pragmatischere Lösung.
Gute Kandidaten sind:
- Eigene Websites und kleine Webanwendungen
- Reverse Proxies für externe Zugriffe
- VPN-Endpunkte oder Jumphosts
- Chatserver (Matrix)
- Mailserver (zumindest Empfangen und Speichern)
- Öffentliche APIs, Statusseiten oder kleine SaaS-nahe Dienste
- Kleine Gameserver
- Voice-Server wie bspw. TeamSpeak3
- Single-Sign-On-Lösungen wie Keycloak und Authentik
Ein vServer ist oft der bessere Kompromiss, wenn du Kontrolle behalten willst, aber nicht die typischen Heimnetzprobleme mit Strom, Router, DynDNS, NAT und Bandbreite haben möchtest. Gerade bei Diensten mit höherer Verfügbarkeit oder mehreren externen Nutzern ist ein VPS meist robuster.
Besser extern nutzen bzw. nicht selbst hosten
Manche Dienste sollte man trotz Selfhosting-Mentalität lieber outsourcen. Das ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern oft die vernünftigste Entscheidung. Besonders dann, wenn Ausfall, Sicherheitsaufwand oder Betriebsrisiko in keinem guten Verhältnis zum Nutzen stehen.
Typische Beispiele sind:
- E-Mail, wenn man keine Lust hat, sich selbst um Whitelisting und generelle Zustellungsprobleme zu kümmern (zumindest ausgehendes SMTP)
- Backups, zumindest von den kritischen Daten
Gerade E-Mail hat sich mit der Zeit leider zu etwas entwickelt, was man lieber von anderen machen lässt. Einen eigenen Mailserver kann man weiterhin betreiben, ich würde aber zumindest den ausgehenden Mailserver über ein externes Relay schicken.
Fazit
Für mich lässt sich anhand weniger Fragen entscheiden, ob bzw. wie ich Dienste selbst betreiben möchte:
- Welche Anforderungen habe ich an die Verfügbarkeit?
- Wie hoch ist der Ressourcenbedarf?
- Was kostet externes Hosting?
- Wie viel Aufwand ist der Betrieb?
Damit kann ich eigentlich immer eine gute Entscheidung treffen, wo ich Services betreiben möchte.