Ich habe nun seit groß einem Jahr einen HP T430 Thin Client, den ich im Vergleich zu meinen ganzen anderen Thin Clients auch tatsächlich so benutze, wie es vorgesehen ist.
Zumindest größtenteils.
Wie man Updates für einen Thin Client bekommt
Für HP-Thin-Clients gibt es das Tool HP ThinUpdate, mit dem man Images für Thin Clients herunterladen und einen USB-Stick vorbereiten kann. Von dem Stick bootet man den Thin Client dann und kann das Image einspielen.

Randnotiz: Mit einem IODD-Gerät lässt sich ein USB-Laufwerk emulieren. ThinUpdate weigert sich zwar, das virtuelle Laufwerk als Ziel auszuwählen, man kann aber den Boot-Stick einmal so erstellen (einen normalen Stick nehmen und dann die Daten übertragen) und einzelne Images einfach als Datei übertragen.
HP ThinPro 8
Bisher war HP ThinPro 8 das neuste OS für diesen Client. Das ist ein für Thin-Clients entwickeltes OS auf Linux-Basis, was abgesehen von Remote-Verbindungen diverser Art (RDP, Citrix, Omnissa Horizon und co) nicht viel kann.
Das hat soweit auch funktioniert, war mir vom Booten her aber eher zu langsam und RDP war auch nicht komplett flüssig - das bin ich vom normalen Microsoft-Client aus anders gewohnt.

(Ich habe nur für dieses Bild ThinPro 8 noch mal auf dem Thin Client installiert…)
HP ThinPro 9
Seit Anfang des Jahres gibt es nun ThinPro 9, was das ganze modernisiert. Die Features sehen grob gleich aus, aus meiner Sicht ist vor allem die Oberfläche etwas moderner. Die installierte Version vom RDP-Client ist neuer, trotzdem ist die Performance verbesserungswürdig.

Windows 10
Als Alternative wollte ich Windows 10 testen, Windows 11 braucht noch mehr Ressourcen. Der Thin Client hat aber nur 2 GB RAM und 16 GB eMMC. Bei den 2 GB RAM kann ich wenig tun, beim Speicher gibt es aber natürlich immer irgendwelche Optionen.
Generell gibt es den HP T430 auch in einer Version mit 4 GB RAM und 32 GB eMMC, die dann auch für Windows gedacht ist und damit ausgeliefert wird.
Klappt es mit 16 GB vielleicht trotzdem?
Ein frisch installiertes Windows 10 braucht etwa 14 GB. Was gerade so noch passt. Aber spätestens nach Treibern (leider gibt es vom Intel Grafiktreiber keine “Lite-Version”) war hier Ende. Ich habe auch versucht, mit NTLite die Treiber und Updates direkt mit ins Image zu backen, aber das hat auch nicht geholfen.
Aufrüsten vom Speicher
Bis auf den M.2-Slot für das WiFi-Modul gibt es im Inneren des T430 keinerlei verfügbare Schnittstellen, alles andere ist verlötet.
Aber das reicht ja, WiFi-Module sind ja meistens über PCIe angebunden. Und für die Slots findet man günstig Adapter. Dementsprechend ist das eMMC-Modul aus meinem Steam Deck mit 64 GB in dem Slot gelandet. Das ist weiterhin nicht super üppig, aber reicht für ein schlankes Windows ohne nennenswert installierte Software mehr als aus.

Installation
Die Installation lief wie eine normale Windows-Installation abläuft. Nur eben etwas langsamer.
Benutzung
Man merkt schon, dass die CPU nicht viel kann. Nur das Öffnen der Einstellungen lastet den Prozessor zu 100% aus, auch Updates dauern länger als gewöhnlich. An die Nutzung als normalen Windows-Rechner braucht man kaum zu denken, dafür reichen die 2 GB RAM (von denen ca 1,5 GB nutzbar sind) und auch die CPU einfach nicht aus. Nur das Herunterladen und Installieren von Firefox hat schon deutlich mehr Zeit gekostet als üblich, normal Surfen ist schwierig.
Als Client für MS RemoteDesktop oder auch Omnissa Horizon macht der T430 mit Windows aber tatsächlich eine gute Figur. Alles läuft so flüssig wie es soll und zumindest in meiner Umgebung läuft RDP spürbar besser als mit ThinPro.
Vorteilhaft ist auch, dass man die normale Auswahl an Treibern zur Verfügung hat, damit kann ich eine alte USB-Grafikkarte auch problemlos am T430 betreiben. Game-Streaming mit Parsec geht damit theoretisch auch, praktisch habe ich es noch nicht getestet.

Wahrscheinlich bleibt es vorerst bei Windows 10. Vielleicht schaue ich, ob man Lizenzen für Windows 10 Enterprise IoT LTSC günstig findet, das wäre ja genau die passende Windows-Edition für einen Thin Client.
Boot-Zeiten
Aus Interesse habe ich Boot-Zeiten verglichen. Ich habe jeweils zwei Messungen durchgeführt, die bis auf wenige Sekunden identisch waren. Gemessen habe ich durch Aufzeichnen des HDMI-Signals mit einer Capture-Card, von erstem Bild bis zum betriebsbereiten Thin-Client.
| Boot-Zeit | |
|---|---|
| ThinPro 9 Onboard | 58s |
| TinPro 9 eMMC | 52s |
| Windows 10 eMMC | 23s |
Die Ergebnisse finde ich durchaus spannend. Ich hätte einerseits erwartet, dass das eMMC-Modul vom Steam Deck die Boot-Zeiten deutlich verbesser (der interne Speicher hat wirklich niedrige Lese-/Schreibraten), andererseits hätte ich auch nicht gedacht, dass Windows grob doppelt so schnell bootet und einsatzbereit ist.
Fazit
HPs ThinPro ist insgesamt die passendere Lösung für einen Thin Client, das funktioniert einfach. Für mich ist Windows hier aber das bessere OS, da es schneller einsatzbereit ist, besser mit anderen Geräten kompatibel ist (Treiber) und sich RDP auch einfach flüssiger anfühlt.