Die Strompreise steigen aktuell immer weiter an, was den Betrieb von einem Heimserver zunehmend teurer macht. Deswegen habe ich mir einen Mini-PC angesehen, um zu schauen, ob dieser geeignet ist, meinen bisherigen Server zumindest für den 24/7-Betrieb abzulösen.

Ursprünglich sollte dieser Post direkt ein Review vom potenziellen neuen Heimserver werden – der Hintergrund-Part bzw. Überblick über die aktuelle Situation hat aber dermaßen den Rahmen gesprengt, dass ich das jetzt als eigenen Post vorher veröffentliche.

Der aktuelle Stand

Ich habe auch Raspberry Pis in Betracht gezogen – nachfolgende Auflistung an Hardware und vor allem der laufenden Dinge sollte aber gut zeigen, warum das nicht so wirklich eine Alternative ist.

Der bisherige Server

Bisher läuft als Hauptserver folgende Hardware:

  • CPU: Intel Xeon E3-1230v3 (4C/8T @ 3,3GHZ)
  • Mainboard: Supermicro X10SLL-F (mit IPMI)
  • RAM: 32GB DDR3 ECC
  • OS: Proxmox
  • Datenträger:
    • 240GB Sata-SSD (ohne Cache) für Proxmox
    • 500GB NVMe-SSD für VMs
    • 500GB Sata-SSD (mit Cache) für VMs
    • 1TB HDD für Backups

Normale CPU-Last liegt bei grob 10%, RAM brauche ich meistens um die 20-24GB. An Anwendungen läuft folgendes:

Container (LXC)
PiHole
Reverse Proxy (Nginx Proxy Manager)
Smokeping
Traceroute-Change-Detection
WordPress-Testumgebung
Container mit random Scripts für Notifications o.ä.
Mosquitto für MQTT
Paperless-NG
VMs (KVM)
Router/VPNs (z.B. zum RZ)
Unifi-Controller
Mikrotik CHR zum Rumspielen
2x Windows-VM
Confluence
Jira
Bitbucket
Jenkins
Bitwarden-RS
Backup-VM
Homeassistant

Einige der VMs (z.B. den Unifi-Controller) kann man sicherlich noch auf Container umstellen und damit schlanker bekommen. Auch der komplette Atlassian-Stack (Jira, Confluence, Bitbucket) hat nichts, was die Verwendung von VMs benötigt. Damit dürfte vor allem der RAM-Verbrauch auch noch mal um ein paar GB sinken – das ist aber eher eine Sache für die nächsten Monate und nicht für Jetzt. Eilt nicht.

Die meisten der VMs bieten also irgendwelche Services im Heimnetz (oder auch extern) an. Und auf diese Services verzichten möchte ich auch nicht.

Proxmox-Dashboard
Laufende VMs und Container

Wie also weniger Strom verbrauchen?

Der Server braucht aktuell im Idle um die 40-45 Watt, unter Last 60-80 Watt. Die meiste Zeit läuft das Teil eher im Idle, ich rechne also mit im Schnitt 45-50 Watt. Das sind bei den aktuellen Strompreisen also grob 150€ pro Jahr – und mir eindeutig zu viel Geld dafür, dass der die meiste Zeit kaum was zu tun hat. Un die Umwelt hat auch noch was davon, wenn ich weniger Strom verbrauche.

Dadurch, dass ich für ein paar Programme VMs mit Windows benötige, sind Raspberry Pis leider raus, der RAM ist da auch ein Argument. Ich weiß auch nicht, wie gut Jira oder Confluence auf einem Pi laufen würde – durch den hohen RAM-Verbrauch würde ich auch mehrere Pis benötigen. Und bei den aktuellen Preisen von 100€ und mehr (siehe Amazon) für die Version mit 8GB wird mir das einfach zu teuer. Ein kleiner selbst gebauter Rechner würde zwar weniger verbrauchen, aber wahrscheinlich immernoch 20-30 Watt. Und die Boards mit kleinen Celerons/Pentiums sind teuer. Beim bisherigen Server die CPU mit was kleinerem zu ersetzen ginge zwar, aber würde vermutlich nur wenige Watt sparen. Mainboards mit IPMI sind vom Stromverbrauch her nicht die besten.

Bleiben eigentlich nur noch Mini-PCs. Und davon gibt es viele, wie ich gemerkt habe. Kriterien, die mir wichtig waren:

  • min. 4 CPU-Kerne
  • gesockelter RAM, min 16GB möglich
  • min. zwei Datenträger (am besten 1x M.2 und 1x 2,5-Zoll Sata)
  • Gigabit-LAN
  • geringer Stromverbrauch
  • max 300-350€

Klar, ein IPMI ist cool. Aber beim bisherigen Server bin ich da dermaßen selten drin, dass ich da auch drauf verzichten kann. Formfaktor ist mir auch nicht so wichtig.

MinisForum UM350 (Ryzen 5 3550H, 16GB RAM, 256GB SSD)

Ich bin bei der Suche dann schnell auf den Hersteller MinisForum gestoßen. Ich hatte an anderer Stelle mit dem UM350 (Ryzen 5 3550H, 16GB RAM und 256GB SSD) von denen zu tun und war zufrieden mit der Hardware. Der LAN-Port mit 2,5GBit/s ist zwar nett, aber fast 450€ rentieren sich dann doch nicht in akzeptabler Zeit.

Dann habe ich dieses Gerät hier, den JB95 (Intel Celeron N5095, 8GB RAM, 256GB SSD) gefunden. Preislich unter 300€ und sollte alle meine Anforderungen erfüllen. Klar, der Celeron wird deutlich schwächer sein als der Xeon, den ich gerade habe – aber die normale Last sollte der Rechner schaffen. Und ich werde den bisherigen Server ja nicht wegwerfen; der wird, wenn ich kurzzeitig mehr Power brauche, weiterhin bereitstehen.

Der Mini-PC steht gerade vor mir und läuft auch schon mit Proxmox. Ich habe noch nicht alles ausprobiert, was ich ausprobieren möchte, aber es sieht soweit ziemlich gut aus. Dementsprechend wird es in den nächsten Tagen einen ausführlicheren Post zu dem JB95 geben.


SecretMineDE

Ich betreibe diesen TS3 und auch andere Server. Musik macht Spaß!